拍品专文
'Weit eher noch als in seinen Darstellungen zur Schweizer Geschichte ist in solchen Alpenlandschaften der Grund dafür zu suchen, dass Hodler noch heute unbestrittenermassen als der Schweizer Maler von nationaler Bedeutung gilt.' Lukas Gloor (Direktor Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich) meint mit 'solchen Alpenlandschaften' explizit diejenigen Gemälde, die den majestätischen Anblick der Dreiheit von Eiger, Mönch und Jungfrau zum Sujet haben und 1910 von Beatenberg aus entstanden sind. Dazu, zu dieser wichtigen, zugleich kleinen Serie von Ferdinand Hodler, gehört auch unser Bild.
Bereits zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigte sich Hodler mit dem Massiv von Eiger, Mönch und Jungfrau. 1871 und 1872 entstanden dramatisch inszenierte Ansichten des Dreigestirns der Berner Oberländer Alpen, auf denen im Vordergrund nicht selten Alphütten und weidende Kühe zu sehen waren. Im Sommer 1908 vollendete Hodler eine zweite Serie der hochalpinen Berglandschaft, als er zwei Wochen im Berggasthaus auf der Schynigen Platte verbrachte. In dieser Zeitspanne malte Hodler neun Ansichten der Eiger-Mönch-Jungfraugruppe, die in Tageszeit und Wetterlage variieren; sie zeigen die Gipfel in der Morgensonne, über dem Nebelmeer oder im Mondschein. Unser Werk entstand, neben drei anderen Versionen in Öl und einer Bleistiftstudie, im Spätsommer 1910. Es ist das grossformatigste Werk der Serie. Bewusst wählte der Künstler einen spektakulären Standort: Hodler befand sich oberhalb von Spirenwald, einer Ortschaft, die zur Gemeinde Beatenberg gehört. Von diesem Standpunkt aus sind im Vordergrund rechts der Thunersee, der Bällenhöchst und der Därliggrat zu sehen, während im Mittelgrund der Blick auf den Männlichen, den Tschuggen und das Lauberhorn frei wird. Das Massiv von Eiger, Mönch und Jungfrau im Bildhintergrund füllt die ganze Bildbreite aus. Die Bergkulisse ist monumental ins Bild gesetzt, die Bergflanken sind in schrägen Schichten angeordnet. Monika Brunner (Mitarbeiterin Oeuvrekatalog Ferdinand Hodler, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich) schreibt dazu im Oeuvrekatalog des Künstlers: 'Hodler verzichtete auf die Farb- und Luftperspektive und baute die Komposition aus einer Abfolge von Schichten zusammen, die er als diagonale Berghänge vor der Dreiergruppe anordnete. [...] Die schräg verlaufenden Bergflanken und die wenig kontrastreichen farblichen Übergänge [verhindern] eine räumliche Wirkung.' Im Sommer 1911 nahm Hodler das Sujet erneut auf, als er mit seiner Frau Berthe zwei Wochen in Mürren verbrachte. Es entstanden acht Ansichten des Jungfraumassivs, die sich durch eine diagonale Komposition auszeichnen.
Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus weist eine kunsthistorisch interessante Provenienz auf. Es befand sich zwischen 1911 und 1917 in der Sammlung des Zürcher Industriellen und Sammler Richard Kisling. Bei Verauktionierung der Sammlung Kisling im November 1929 ist es von Margrit Kottmann-Müller angekauft worden und hat somit Eingang in die gleiche Sammlung wie die Femme joyeuse von Ferdinand Hodler (Los 100) gefunden. Margrit Kottmann-Müller war die Schwester von Josef Müller, dem Mäzen und grossen Sammler Ferdinand Hodlers. Im Jahr 1938 gelangten sowohl das Werk Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus als auch das Gemälde Femme joyeuse in eine neue, äusserst bedeutende Privatsammlung, und verblieben seither im Besitz der gleichen Familie.
'Far more so than in his depictions of Swiss history, in such alpine landscapes lies the reason that Hodler is undeniably considered to many still today as the Swiss painter of national significance.' Lukas Gloor (Director, Foundation Collection E. G. Bührle, Zurich) refers to 'such alpine landscapes' as those paintings which have the majestic sight of the triumvirate Eiger, Mönch and Jungfrau as the subject and which originated in 1910 from Beatenberg. Our picture belongs to this important, and at the same time small, series of Ferdinand Hodler.
From the beginning of his artistic activity, Hodler occupied himself with the mountains of Eiger, Mönch and Jungfrau. In 1871 and 1872 he painted dramatically staged views of the triumvirate of the Bernese Oberland alps, in which mountain huts and grazing cows are commonly depicted in the foreground. In the summer of 1908, Hodler completed a second series of paintings featuring these mountains, when he spent two weeks in a mountain hotel on the Schynige Platte. During this time Hodler painted nine views of the Eiger-Mönch-Jungfrau group, which vary in time of day and weather conditions; they show the summits in the morning sun, above a sea of fog, or in the moonlight. Our work was painted, in addition to three other versions in oil and a pencil study, in the late summer of 1910. It is the largest work of the series. Consciously the artist selected a spectacular location: Hodler was above Spirenwald, a small town which belongs to the community of Beatenberg. From this point of view in the foreground on the right one can see Lake Thun, the slopes of Bällenhöchst and Därliggrat, while in the middle ground is the view of the mountains Männlichen, Tschuggen and Lauberhorn. The massif of Eiger, Mönch and Jungfrau in the image background fills out the whole width of the painting. The mountain backdrop is monumentally set in the picture and the mountain slopes are arranged in diagonal layers. Monika Brunner (collaborator, catalogue raisonné Ferdinand Hodler, Swiss Institute for Art Research, Zurich) writes about it in the catalogue raisonné of the artist: 'Hodler dispensed with the colour and aerial perspective and assembled the composition from a succession of layers, which he arranged as diagonal mountain-slopes before the tripartite group. [...] The diagonally running mountain slopes and the little high-contrast coloured transitions [prevent] a spatial effect.' In the summer of 1911 Hodler took up the subject again, when he spent two weeks in Mürren with his wife, Berthe. He produced eight views of the Jungfrau massif, which are all characterised by a diagonal composition.
Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus features an art-historical interesting provenance. Between 1911 and 1917 it was in the collection of Zurich manufacturer and collector Richard Kisling. At the auction of Kisling's collection in November 1929, it was purchased by Margrit Kottmann-Müller and thus entered into the same collection as the painting Femme joyeuse by Ferdinand Hodler (lot 100). Margrit Kottmann-Müller was the sister of Josef Müller, a patron and large collector of Ferdinand Hodler. In 1938, both Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus and Femme joyeuse arrived into a new, extremely prominent private collection, and have since then remained in the possession of the same family.
Bereits zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigte sich Hodler mit dem Massiv von Eiger, Mönch und Jungfrau. 1871 und 1872 entstanden dramatisch inszenierte Ansichten des Dreigestirns der Berner Oberländer Alpen, auf denen im Vordergrund nicht selten Alphütten und weidende Kühe zu sehen waren. Im Sommer 1908 vollendete Hodler eine zweite Serie der hochalpinen Berglandschaft, als er zwei Wochen im Berggasthaus auf der Schynigen Platte verbrachte. In dieser Zeitspanne malte Hodler neun Ansichten der Eiger-Mönch-Jungfraugruppe, die in Tageszeit und Wetterlage variieren; sie zeigen die Gipfel in der Morgensonne, über dem Nebelmeer oder im Mondschein. Unser Werk entstand, neben drei anderen Versionen in Öl und einer Bleistiftstudie, im Spätsommer 1910. Es ist das grossformatigste Werk der Serie. Bewusst wählte der Künstler einen spektakulären Standort: Hodler befand sich oberhalb von Spirenwald, einer Ortschaft, die zur Gemeinde Beatenberg gehört. Von diesem Standpunkt aus sind im Vordergrund rechts der Thunersee, der Bällenhöchst und der Därliggrat zu sehen, während im Mittelgrund der Blick auf den Männlichen, den Tschuggen und das Lauberhorn frei wird. Das Massiv von Eiger, Mönch und Jungfrau im Bildhintergrund füllt die ganze Bildbreite aus. Die Bergkulisse ist monumental ins Bild gesetzt, die Bergflanken sind in schrägen Schichten angeordnet. Monika Brunner (Mitarbeiterin Oeuvrekatalog Ferdinand Hodler, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Zürich) schreibt dazu im Oeuvrekatalog des Künstlers: 'Hodler verzichtete auf die Farb- und Luftperspektive und baute die Komposition aus einer Abfolge von Schichten zusammen, die er als diagonale Berghänge vor der Dreiergruppe anordnete. [...] Die schräg verlaufenden Bergflanken und die wenig kontrastreichen farblichen Übergänge [verhindern] eine räumliche Wirkung.' Im Sommer 1911 nahm Hodler das Sujet erneut auf, als er mit seiner Frau Berthe zwei Wochen in Mürren verbrachte. Es entstanden acht Ansichten des Jungfraumassivs, die sich durch eine diagonale Komposition auszeichnen.
Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus weist eine kunsthistorisch interessante Provenienz auf. Es befand sich zwischen 1911 und 1917 in der Sammlung des Zürcher Industriellen und Sammler Richard Kisling. Bei Verauktionierung der Sammlung Kisling im November 1929 ist es von Margrit Kottmann-Müller angekauft worden und hat somit Eingang in die gleiche Sammlung wie die Femme joyeuse von Ferdinand Hodler (Los 100) gefunden. Margrit Kottmann-Müller war die Schwester von Josef Müller, dem Mäzen und grossen Sammler Ferdinand Hodlers. Im Jahr 1938 gelangten sowohl das Werk Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus als auch das Gemälde Femme joyeuse in eine neue, äusserst bedeutende Privatsammlung, und verblieben seither im Besitz der gleichen Familie.
'Far more so than in his depictions of Swiss history, in such alpine landscapes lies the reason that Hodler is undeniably considered to many still today as the Swiss painter of national significance.' Lukas Gloor (Director, Foundation Collection E. G. Bührle, Zurich) refers to 'such alpine landscapes' as those paintings which have the majestic sight of the triumvirate Eiger, Mönch and Jungfrau as the subject and which originated in 1910 from Beatenberg. Our picture belongs to this important, and at the same time small, series of Ferdinand Hodler.
From the beginning of his artistic activity, Hodler occupied himself with the mountains of Eiger, Mönch and Jungfrau. In 1871 and 1872 he painted dramatically staged views of the triumvirate of the Bernese Oberland alps, in which mountain huts and grazing cows are commonly depicted in the foreground. In the summer of 1908, Hodler completed a second series of paintings featuring these mountains, when he spent two weeks in a mountain hotel on the Schynige Platte. During this time Hodler painted nine views of the Eiger-Mönch-Jungfrau group, which vary in time of day and weather conditions; they show the summits in the morning sun, above a sea of fog, or in the moonlight. Our work was painted, in addition to three other versions in oil and a pencil study, in the late summer of 1910. It is the largest work of the series. Consciously the artist selected a spectacular location: Hodler was above Spirenwald, a small town which belongs to the community of Beatenberg. From this point of view in the foreground on the right one can see Lake Thun, the slopes of Bällenhöchst and Därliggrat, while in the middle ground is the view of the mountains Männlichen, Tschuggen and Lauberhorn. The massif of Eiger, Mönch and Jungfrau in the image background fills out the whole width of the painting. The mountain backdrop is monumentally set in the picture and the mountain slopes are arranged in diagonal layers. Monika Brunner (collaborator, catalogue raisonné Ferdinand Hodler, Swiss Institute for Art Research, Zurich) writes about it in the catalogue raisonné of the artist: 'Hodler dispensed with the colour and aerial perspective and assembled the composition from a succession of layers, which he arranged as diagonal mountain-slopes before the tripartite group. [...] The diagonally running mountain slopes and the little high-contrast coloured transitions [prevent] a spatial effect.' In the summer of 1911 Hodler took up the subject again, when he spent two weeks in Mürren with his wife, Berthe. He produced eight views of the Jungfrau massif, which are all characterised by a diagonal composition.
Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus features an art-historical interesting provenance. Between 1911 and 1917 it was in the collection of Zurich manufacturer and collector Richard Kisling. At the auction of Kisling's collection in November 1929, it was purchased by Margrit Kottmann-Müller and thus entered into the same collection as the painting Femme joyeuse by Ferdinand Hodler (lot 100). Margrit Kottmann-Müller was the sister of Josef Müller, a patron and large collector of Ferdinand Hodler. In 1938, both Eiger, Mönch und Jungfrau von Beatenberg aus and Femme joyeuse arrived into a new, extremely prominent private collection, and have since then remained in the possession of the same family.